Am 31. Mai ist es soweit: Hamburg stimmt in einem Bürgerschaftsreferendum darüber ab, ob sich die Stadt beim Deutschen Olympischen Sportbund als Austragungsort für Olympische und Paralympische Spiele bewerben soll. In Frage kommen die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044, ein konkretes Jahr steht nicht fest.
Seit dem 22. April hat die Deutsche Post die Abstimmungsunterlagen für das Olympia-Referendum der Stadt Hamburg an alle rund 1,3 Millionen Stimmberechtigten verschickt. Automatisch, an jede Meldeadresse.
Neu hier? Gutes Timing.
HAMMERBRONX ist unabhängiger Lokal-Journalismus für Hammerbrook – und gerade im Aufbau. Seit dem 31. Mai liefern wir regelmäßig News und Updates, dazu Hintergrund, Recherchen und Service rund um alles, was 20097 und unsere Nachbar-Stadtteile bewegt. Unabhängig, ohne Paywall. Weil’s sonst keiner macht.
Was auf dem Stimmzettel steht
Die Frage ist lang, der Kern ist einfach. Wörtlich lautet sie: „Ich bin dafür, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund mit der Freien und Hansestadt Hamburg als Austragungsort um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. Stimmen Sie dieser Vorlage zu?” Zur Auswahl stehen „Ja“ und „Nein“.
Umfangreicher ist, was dem Stimmzettel beiliegt: ein Informationsheft mit der Position von Bürgerschaft und Senat sowie einer Gegenrede der Initiative NOlympia. Die Gegenperspektive ist nur in den offiziellen Wahlunterlagen zu finden, weil die Initiative im Februar bei Minusgraden loszog und 19.423 Unterschriften dafür sammelte. 10.000 Unterschriften waren nötig.
Wie jetzt noch abgestimmt werden kann
Die wichtigste Frist zuerst, und sie ist unbequem: Der Abstimmungsbrief muss bis Sonntag, 31. Mai, 18 Uhr bei der zuständigen Bezirksabstimmungsleitung eingegangen sein. Nicht abgestempelt – sondern eingegangen. Die offizielle Post-Empfehlung lautete deshalb: spätestens am 27. Mai einwerfen. Diese Frist ist durch, übers Wochenende kommt der rote Umschlag nicht mehr rechtzeitig an.
Wer noch nicht abgestimmt hat, hat trotzdem zwei Möglichkeiten:
- Den roten Abstimmungsbrief direkt abgeben: beim Bezirksamt oder am Sonntag in der Abstimmungsstelle. Kein Postweg, kein Risiko.
- Oder am Sonntag zwischen 8 und 18 Uhr persönlich abstimmen. Anders als bei einer Bürgerschafts- oder Bundestagswahl ist man dabei nicht an ein festes Wahllokal gebunden, sondern kann in jede der 178 Abstimmungsstellen gehen.
Der Ablauf für alle, die den Brief noch ausfüllen: Stimmzettel in den weißen Umschlag, diesen in den roten Abstimmungsbrief, den Abstimmungsschein auf der Rückseite unterschreiben. Dauert drei Minuten, nur eben nicht mehr per Post.
Wer abstimmen darf und wer nicht
Stimmberechtigt sind alle in Hamburg gemeldeten deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der Stadt leben.
Nicht stimmberechtigt sind EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie alle Hamburgerinnen und Hamburger ohne deutsche Staatsangehörigkeit – selbst, wenn sie seit Jahrzehnten hier leben, arbeiten und Steuern zahlen. In Hammerbrook, wo 46,2 Prozent der Menschen keinen deutschen Pass besitzen, betrifft das einen erheblichen Teil der Bevölkerung.
Am 31. Mai: 178 Abstimmungsstellen, 8 bis 18 Uhr
Wer am Abstimmungstag persönlich abstimmen will, kann das in einer der 178 Abstimmungsstellen tun, die von 8 bis 18 Uhr geöffnet sind. Mitzubringen sind die Abstimmungs-Benachrichtigung und ein gültiger Ausweis. Wer die Benachrichtigung verlegt hat, kann sich mit dem Ausweis trotzdem ausweisen und abstimmen.
Die auf der Benachrichtigungskarte genannte Stelle ist übrigens nur eine Empfehlung: Anders als bei einer Bürgerschafts- oder Bundestagswahl ist man nicht an ein festes Wahllokal gebunden, sondern darf in jede der 178 Abstimmungsstellen gehen.
In Hammerbrook selbst ist die Stiftung Grone-Schule am Heinrich-Grone-Stieg 2 als Abstimmungsstelle eingerichtet: barrierefrei, wenige Gehminuten von den S-Bahn-Stationen Hammerbrook und Hammerbrook-Süd entfernt.
Warum ein Ja nicht automatisch reicht
Ein Ja zu Olympia in Hamburg braucht zwei Dinge gleichzeitig: Erstens müssen mehr Menschen „Ja“ ankreuzen als „Nein“. Zweitens gilt ein Zustimmungs-Quorum: Mindestens ein Fünftel aller Wahlberechtigten muss dem Referendum zustimmen. Zugrunde gelegt wird dabei die Zahl der Wahlberechtigten der letzten Bürgerschaftswahl – das waren 1.313.043 Menschen. Heißt: Für ein Ja zu Olympia in Hamburg braucht es mindestens 262.609 gültige Ja-Stimmen.
Fehlt eine der beiden Hürden, ist die Bewerbung gescheitert. 2015 war das Quorum erfüllt, gescheitert ist es damals an der Mehrheit.
Wann das Ergebnis kommt
Um 18 Uhr schließen am Sonntag die Abstimmungsstellen, dann beginnt die Auszählung, das Statistikamt Nord will gegen 18.30 Uhr die ersten Zahlen präsentieren. Im Lauf des Abends folgt das vorläufige Endergebnis, verkündet vom Landeswahlleiter. Das amtliche Endergebnis soll spätestens am 25. Juni vorliegen.
Eine bemerkenswerte Neuerung gegenüber 2015: Die Ergebnisse sollen diesmal auch auf Stadtteilebene einsehbar sein, 2015 gab es nur Bezirksdaten. HAMMERBRONX reicht die Zahl für den Stadtteil nach, sobald sie vorliegt.
Was ein Ja bedeutet – und was nicht
Ein Ja macht Hamburg noch lange nicht zum Olympia-Gastgeber. Es bedeutet lediglich, dass die Stadt ihre Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen darf – die Frist dafür läuft bis zum 4. Juni 2026. Am 26. September entscheidet dann eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden, welche Stadt Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee vertritt.
| Bewerber | So entschieden | Wann |
|---|---|---|
| München | 66,4% Ja im Referendum | Okt. 2025 |
| Köln-Rhein-Ruhr | rund 66% Ja, in 17 Kommunen | Apr. 2026 |
| Kiel | rund 64% Ja (Segelstandort) | Apr. 2026 |
| Berlin | Ja im Abgeordnetenhaus, kein Referendum | Mai 2026 |
| Hamburg | offen | 31. Mai 2026 |
Hamburg ist der einzige Bewerber, dessen Bevölkerung schon einmal Nein gesagt hat.
Hamburg konkurriert mit drei Bewerbern, die ihre Hürden schon genommen haben: München stimmte im Oktober 2025 mit 66,4 Prozent für eine Bewerbung. Die Region Köln-Rhein-Ruhr erreichte im April 2026 in 17 Kommunen rund 66 Prozent Zustimmung, am selben Tag sagte Kiel als möglicher Segelstandort mit rund 64 Prozent ebenfalls Ja. Berlin führte kein Referendum durch, hat sich aber festgelegt: Das Abgeordnetenhaus stimmte im Mai mehrheitlich für eine Bewerbung.
Hamburg ist damit der letzte offene Kandidat. Und der einzige, dessen Bevölkerung schon einmal Nein gesagt hat: Am 29. November 2015 lehnten 51,6 Prozent der abstimmenden Hamburgerinnen und Hamburger eine damalige Olympia-Bewerbung ab.
Was ein Nein bedeutet
Die Bewerbung wäre politisch beendet. Formal hat der Deutsche Olympische Sportbund zwar klargestellt, dass ein positives Referendum keine Voraussetzung für die Teilnahme am Bewerbungsverfahren ist – aber eine Stadt, deren Bevölkerung zweimal gegen Olympische Spiele stimmt, wird sich realistischerweise nicht um deren Ausrichtung bewerben. München, Berlin und Köln-Rhein-Ruhr blieben im Rennen. Hamburg wäre raus.
Am Sonntagabend weiß Hamburg mehr. HAMMERBRONX berichtet live.