Olympia-Klatsche! Hamburg lässt die Spiele erneut abblitzen

Wieder Nein, wieder Schluss: Hamburg bewirbt sich nicht um Olympische und Paralympische Sommerspiele. 54,9 Prozent stimmen beim Olympia-Referendum gegen die Bewerbung, der Senat zieht Hamburg noch am Abend offiziell aus dem Rennen. Ergebnisse, Reaktionen – und was jetzt passiert.

Hamburg sagt erneut Nein zu Olympia – und diesmal ist es eine noch klarere Absage als beim ersten gescheiterten Referendum vor gut zehn Jahren: Nach Auszählung aller 698 Abstimmungsstellen steht am Sonntagabend fest, dass sich die Stadt nicht um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben wird.

293.819 Hamburgerinnen und Hamburger stimmen mit Ja, 357.911 mit Nein. Damit liegt die Nein-Seite mit 64.092 Stimmen vorn, die Beteiligung bei 49,6 Prozent.

Olympia-Referendum 2026
Hamburg in Rot: die Mehrheit je Stadtteil

Mehrheit der gültigen Stimmen je Stadtteil: In 65 von 90 Stadtteilen gewinnt das Nein, in 25 das Ja.

Karte zum Olympia-Referendum 2026: 65 Hamburger Stadtteile mit Nein-Mehrheit in Rot, 25 mit Ja-Mehrheit in Dunkelblau
Mehrheit Nein
Mehrheit Ja
Karte: HAMMERBRONX
Daten: Statistikamt Nord (vorläufiges Ergebnis)

Noch am Abend, als das Ergebnis im Wesentlichen bereits feststeht, zieht Bürgermeister Tschentscher die Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) offiziell zurück. Hamburg ist raus.

Vorläufiges Ergebnis: So hat Hamburg abgestimmt

Von 1.315.800 Abstimmungsberechtigten haben 652.603 ihre Stimme abgegeben, 87,1 Prozent davon per Brief. 651.730 Stimmzettel sind gültig, 873 ungültig. Vorläufiges Ergebnis, das endgültige Ergebnis wird am 25. Juni erwartet.

Das Quorum war nicht das Problem: Damit das Referendum erfolgreich gewesen wäre, hätte es eine Ja-Mehrheit und mindestens 262.609 Ja-Stimmen, ein Fünftel der bei der Bürgerschaftswahl 2025 Wahlberechtigten, gebraucht. Die zweite Hürde nimmt die Befürworter-Seite, 293.819 Hamburgerinnen und Hamburger stimmten mit Ja, gut 31.000 mehr als nötig. Doch es fehlt die Mehrheit.

Olympia-Referendum 2026
Hamburg sagt wieder Nein
45,1 % Ja 54,9 % Nein Ja-Stimmen (abs.): 293.819 Benötigt: 262.609 Das Referendum war damit nicht erfolgreich.
Ja-Mehrheit und mindestens 262.609 Ja-Stimmen erforderlich. Beteiligung: 49,6%. Stand: 31. Mai 2026.

Grafik: HAMMERBRONX · Daten: Statistikamt Nord

Tschentscher zieht die Bewerbung zurück

Im Rathaus ist die Sache am Abend schnell entschieden. Vor der Abstimmung hatte Tschentscher noch erklärt, für ihn gelte „jedes Ergebnis von 50 Prozent plus X“ als Mandat für eine Bewerbung. Doch statt Mandat gibt’s eine deutliche Absage. „Das Votum ist für den Senat verbindlich“, sagt der Erste Bürgermeister Hamburgs, nachdem er gegen 20 Uhr DOSB und IOC informiert hatte, dass Hamburg seine Bewerbung zurückzieht. Das finale Konzept hätte die Stadt sonst bis zum 4. Juni beim DOSB einreichen müssen.

Überrascht zeigt sich Tschentscher nicht. Er habe gewusst, dass die Skepsis gegenüber Olympia in Hamburg größer sei als in vielen anderen Städten. Der Senat habe die Bewerbung trotzdem vorangetrieben, weil die Spiele nach heutigen Bedingungen „eine große Chance“ gewesen wären. Damit ist Hamburg die einzige deutsche Stadt, die zweimal über Olympia abgestimmt und zweimal Nein gesagt hat. 2015 scheiterte die Bewerbung für 2024, diesmal die für 2036, 2040 oder 2044.

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Im Rennen bleiben München und die Rhein-Ruhr-Region, beide mit rund 66 Prozent Zustimmung in ihren Befragungen, sowie Berlin, wo das Abgeordnetenhaus inzwischen für eine Olympia-Bewerbung entschieden hat. Auch wenn Kiel als Segelstandort in Hamburgs Plänen vorgesehen war, ist die Küstenstadt nicht aus dem Rennen: München und Rhein-Ruhr tendieren weiter zu Kiel, Berlin hat sich allerdings auf Rostock-Warnemünde festgelegt. Am 26. September bestimmt der DOSB in Baden-Baden, mit welcher Stadt Deutschland ins internationale Verfahren geht.

Zwei Olympia-Klatschen fürs Rathaus

Hamburg hat schon einmal Nein zu Olympia gesagt. Am 29. November 2015 lehnte die Stadt eine Bewerbung für die Spiele 2024 ab. Der Vergleich zeigt, warum dieses zweite Nein schwerer wiegt:

Im Vergleich
Zweimal Nein: 2015 und 2026

Die beiden Hamburger Olympia-Referenden im Vergleich.

20152026
51,6 %Nein-Anteil54,9 %
336.518Nein-Stimmen357.911
48,4 %Ja-Anteil45,1 %
315.181Ja-Stimmen293.819
21.337Differenz64.092
50,2 %Beteiligung49,6 %
2015: endgültiges Ergebnis (Spiele 2024). 2026: vorläufiges Ergebnis (Spiele 2036, 2040 oder 2044).
Grafik: HAMMERBRONX
Daten: Landeswahlamt Hamburg, Statistikamt Nord

2015 lagen Ja und Nein gut drei Prozentpunkte auseinander, diesmal sind es 9,8: Der Vorsprung der Nein-Seite hat sich in gut zehn Jahren verdreifacht.

Für die Spiele geworben hatten SPD, Grüne und CDU sowie große Teile von Wirtschaft und Sport. Dagegen standen die Linke, die AfD, die Umweltverbände Nabu und BUND und vor allem die Initiative NOlympia, die schon 2015 maßgeblich am Nein beteiligt war.

Das Konzept, das nicht überzeugt hat

Das Hamburger Olympia-Konzept rechnete mit Durchführungskosten von 4,8 Milliarden Euro bei erwarteten Einnahmen von 4,9 Milliarden Euro, also einem rechnerischen Überschuss von rund 100 Millionen Euro. Das Olympische Dorf sollte in der Science City Bahrenfeld entstehen und danach Wohnraum für rund 9.000 Menschen bieten, 56 Prozent davon gefördert. Ein festes Austragungsjahr nannte die Bewerbung nicht, infrage kamen 2036, 2040 oder 2044. In der Debatte standen die schwer kalkulierbaren Kosten, die Furcht vor steigenden Mieten oder auch die Frage, ob klimaneutrale Spiele mehr als ein Versprechen sein könnten.

Wie Hammerbrook abstimmt

2015 gab das Statistikamt die Referendum-Ergebnisse nur auf Bezirksebene heraus – wie Hammerbrook damals abstimmte, weiß bis heute niemand. Diesmal gibt es die Zahlen für ein Olympia-Referendum zum ersten Mal bis auf Stadtteilebene:

Auf einen Blick
So stimmt Hammerbrook ab

Der Stadtteil, sein Bezirk und die Gesamtstadt im Vergleich, in Prozent.

Hammerbrook Bezirk Mitte Hamburg
Ja 46,7 38,9 45,1
Nein 53,3 61,1 54,9
Beteiligung 42,6 40,6 49,6
640 Ja, 730 Nein bei 1.370 gültigen Stimmen (vorläufiges Ergebnis).
Grafik: HAMMERBRONX · Daten: Statistikamt Nord

Hammerbrook sagt auch Nein. Aber hier kommt die Überraschung: Im eigenen Bezirk ist Hammerbrook einer der olympiafreundlichsten Stadtteile überhaupt! Mit 46,7 Prozent Ja-Stimmen liegt der Stadtteil über dem Hamburger Schnitt (45,1 Prozent) und weit über dem Schnitt des Bezirks Hamburg-Mitte, der mit lediglich 38,9 Prozent Ja-Stimmen viel deutlicher ablehnt als die Gesamtstadt.

Die Reaktionen des Abends

Im Senat überwiegt die Enttäuschung. Am deutlichsten wird Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Für sie ist das Ergebnis „eine herbe Enttäuschung und eine verpasste Chance für unsere Stadt“. Kaum ein Thema habe Hamburg in den vergangenen Monaten so bewegt wie Olympia, sagt sie. Am Ende habe die Bewerbung die Sorgen vieler Menschen vor steigenden Mieten, ausufernden Kosten und immer neuen Baustellen nicht ausräumen können.

Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD) verweist auf die vielen Hamburgerinnen und Hamburger, die mit Ja gestimmt haben. „Aber am Ende hat es nicht gereicht”, sagt er. Die positive Energie der Kampagne wolle der Senat nun „in Projekte zur Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen“ lenken.

Was jetzt passiert

Am Montagvormittag äußert sich der Senat in einer Sonder-Landespressekonferenz, dazu stellen Landeswahlleitung und Statistikamt Nord die Detailauswertung der Abstimmung vor. Rücktritte gibt es keine, das stellt der Senat noch am Abend klar.

Verwendete Quellen
» Statistikamt Nord / Landeswahlamt: Vorläufiges Ergebnis des Olympia-Referendums 2026
» Senatskanzlei Hamburg: Statements zum Referendum-Ausgang (Pressemitteilung, 31.5.2026)
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